Interaktiver multimodaler
Ausstellungsraum

THE IMMERSIVE BRAIN ist das Abschlussarbeitsprojekt meines Designstudiums.

Eine ausgeweitete Recherche zum Thema Neurodivergenz gab mir Aufschluss über die komplexe und vielschichtige Natur der veränderten Reizwahrnehmung bei neurodivergenten Menschen. Die sogenannte Reizfilterschwäche ist ein besonders klassisches Symptom für ADHS (“Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung”), tritt jedoch auch häufig bei anderen Neurodivergenzen und psychologischen Konditionen auf. Bei Menschen auf dem autistischen Spektrum ist eine verstärkte oder auch verminderte Sensitivität (Hyper- & Hyposensitivität) gegenüber Reizen häufig vertreten und verdeutlicht eine grundlegend andere Wahrnehmung der sensorischen Welt.

Gerade in der neurodivergenten Reizwahrnehmung sehe ich die Möglichkeit, über eine Modulation der Reize in einem Ausstellungs- und Installationskontext auch neurotypischen Menschen dieses Erleben am eigenen Körper näher zu bringen.

Ziel von IMMERSIVE BRAIN ist es, die starren medizinischen Definitionen und Diagnostiken aufzubrechen und den Krankheitsbegriff bei Menschen mit neurodivergenten Wahrnehmungen zu hinterfragen.

Video:   ©Chris Mooshammer     

                                           Foto: © Chris Mooshammer     

Spektrum menschlicher Wahrnehmungswelten

Auf spielerische Weise wird die individuelle und subjektive Natur der Reizwahrnehmung und Reizverarbeitung verdeutlicht. Besucher:innen gewinnen durch eine Kombination von auditiven, taktilen und visuellen Reizüberlagerungen Einblicke in die Empfindungen von reizoffenen Menschen.

Durch interaktive Module (siehe Foto links) kreieren die Besucher:innen ihr Ausstellungserlebnis selbst und können steuern, welche Eindrücke im Installationsraum erzeugt werden.

Der Ausstellungsraum lädt dazu ein, die Vielfalt von Wahrnehmungswelten anzuerkennen und die eigene Position im Spektrum der menschlichen Erfahrungen zu reflektieren.

spielerisch lernen.

Rendering: Ausstellungsgebäude aus der Vogelperspektive

Von Außen betrachtet erinnert der Ausstellungskörper an ein Gehirn: Ein buntes neurodivergentes Gehirn.

Über geschichtete verschiedenfarbige Holzelemente, die mit dem darunterliegenden Grundgerüst aus Stahl verschraubt sind, entsteht der visuelle Effekt der Sulci (Hirnfurchen) und Gyri (Hirnwindungen) wie in einem echten Gehirn.

Rendering: Ausstellungsgebäude von vorne

Interaktive Elemente im Innenraum laden die Besucher:innen dazu, ein eine eigene Erfahrungswelt kreieren.

multisensorisch.

Rendering: Ausstellungsgebäude von hinten

Was im Inneren passiert, lässt sich von außen nur erahnen.
Die Holzsegmente lassen jedoch genug Freiraum, um die darunterliegende Projektionsfläche erkenntlich werden zu lassen. Über vier Projektoren im Inneren des Installationsraumes werden die Innenflächen 360° bespielt. Es entsteht visuell eine eigene in sich geschlossene Welt, ähnlich wie in einem Planetarium.


Das Gehirn
von Innen erleben

Nicht nur von Außen steht der Ausstellungsraum in seinem Aufbau sinnbildlich für ein neurodivergentes Gehirn. Auch jeder Bereich im Inneren des architektonischen Gehirn ist in seiner Funktionsweise angepasst an die physiologischen Funktionsweisen unseres Gehirns und ist von oben betrachtet aufgebaut wie ein Spektrum, ein sich zur Mitte hin verdichtendes Feld.

Über drei Räume (Orientierungsraum, Installations-& Erlebnisraum, Reflektionsraum) gelangen die Besucher:innen durch den Gehirnbau. Jeder Raum, sowie die Elemente in den Räumen sind funktional den spezifischen Gehirnabschnitten zugeordnet: Vom Cerebellum über den Okzipital-, Temporal- und Parietallappen zur Gehirnbrücke und zum Frontallappen. Dabei werden die verschiedenen Sinnesmodalitäten Hören, Sehen und Fühlen in den jeweiligen Gehirnabschnitten integriert.

links KI-Bild: Draufsicht auf ein Gehirn, erstellt mit Midjourney 

 rechts Rendering: Draufsicht auf den Ausstellungsraum              

Die Eingangstür des Ausstellungskörpers führt zunächst in den Orientierungsraum, der an die Funktionen de Kleinhirns (Cerebellum) angelehnt ist: Bewegungen und Handlungen koordinieren und planen. Hier gelingt eine Einführung in das Erlebnis.

Anschließend findet im Installationsraum das multi-sensorische und immersive Ausstellungserlebnis statt. Über interaktive Steuerungsmodule werden die Sinne Hören, Sehen und Fühlen angesprochen und verkörpern an den jeweiligen Positionen die Gehirnbereiche von Okzipital-, Temporal- und Parietallappen. Die Gehirnbrücke (Pons), als Verbindung zwischen beiden Hemisphären wird durch die spiralförmige Wendelrampe dargestellt.

Zuletzt wird im Reflektionsraum, der symbolisch für den Frontallappen steht, eine Erlebnisreflektion angeboten, sowie weiteres Informationsmaterial zu Neurodivergenz bereitgestellt.

  Rendering: Ansicht von der Seite 

Mehr Renderings, Informationen und Bilder findest du in der Galerie (s.u.)

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